Medienlandschaft Polen
In Jahr 2010 hat sich die Tendenz des vorangegangenen Jahres auf dem polnischen Medienmarkt teilweise fortgesetzt: Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hatte wiederum einen Abfall der Einschaltquoten zu beklagen, der allerdings weniger rasant war als im Jahr zuvor. Polens kontroverses Wochenmagazin Wprost bekam einen neuen Chefredakteur, der das Gesicht des Blattes nachdrücklich verändert hat. Die Printerzeugnisse haben weitere drastische Verkaufseinbußen zu verzeichnen. Doch während die Werbeeinnahmen der Tageszeitungen insgesamt um 1 Prozent sanken, haben einzelne Medien enorme Steigerungen vorzuweisen (Fakt 20 Prozent, Rzeczpospolita fast 10 Prozent). Auch der polnische Rundfunk hat, nachdem er 2009 vor der Zahlungsunfähigkeit stand, einen enormen Zuwachs an Werbeeinnahmen zu verzeichnen.
In Polen kann man zwischen rund 500 Fernseh- und Radioprogrammen wählen. Sie werden terrestrisch, über Satellit, Kabel oder das Telefonnetz übertragen. Im polnischen Fernsehen sind 15 terrestrische Programme, 28 Satellitenprogramme und 199 Kabelprogramme empfangbar, im Radio 233 terrestrische und 4 Kabelprogramme. Mit fast 700 Kabelanbietern, die 4,6 Millionen Haushalte bedienen, ist Polen nach Deutschland und Holland der drittgrößte Markt für Kabelfernsehen in der Europäischen Union.
Ähnlich wie in anderen europäischen Ländern ist in Polen derzeit eine Konzentration des Medienmarktes zu beobachten, in deren Folge kapitalstarke Medienkonzerne entstehen. Die Aufhebung der Beschränkungen beim Erwerb und Besitz von Medien nach dem EU-Beitritt Polens hat dafür die Voraussetzungen geschaffen. Besonders schnell schreitet die Konzentration bei den Betreibern von Kabelnetzen und lokalen Radiosendern voran.
Eine Besonderheit ist der polnische Printmedienmarkt, der der dynamischste aller europäischen Flächenstaaten ist. Der drittgrößte Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt in Ostmitteleuropa lockte in den 90er Jahren viele große westeuropäische Verlage nach Polen. Insbesondere deutsche Verlage haben früh investiert und spielen heute eine marktdominante Rolle.
Die Hauptthemen im Jahr 2010 waren in den polnischen Medien die Flugzeugkatastrophe von Smolensk und die daraus resultierenden vorgezogenen Präsidentschaftswahlen und politischen Gefechte sowie das Hochwasser im Frühjahr 2010.
Der Durchschnittspole sieht im 4. Quartal 2010 täglich 4 Stunden und 22 Minuten (1 Minute mehr als 2009) fern und hört 4 Stunden und 26 Minuten Radio (+0,3%). Den Fernsehmarkt in Polen dominiert das öffentlich-rechtliche Fernsehen: Das erste Programm von TVP hält einen Anteil von 19,1 Prozent (-1,2 im Vergleich zum Vorjahr), TVP 2 erreicht 14,8 Prozent (-0,1), Polsat 14,4 Prozent (-0,8) und tvn 16 Prozent (-1,8).
Vom 10. April (dem Tag des Unglücks) bis zum 18. April (dem Tag des Begräbnisses des Präsidentenpaares auf dem Wawel) schauten die Polen durchschnittlich 6,23 Stunden fern, am Tag des Begräbnisses selbst waren es sogar fast 8 Stunden pro Kopf.
Alle landesweiten Radiosender außer Radio Zet haben 2010 ihre Einschaltquoten steigern können. Am beliebtesten ist der Privatsender RMF FM. Er erreicht eine Hörerschaft von 27.32 (+6.93% im Vergleich zu 2009) Prozent des Marktanteils. An zweiter Stelle steht weiterhin Radio ZET mit 16.13 (-1.04) Prozent, gefolgt vom Ersten Programm des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (Polskie Radio Jedynka) mit 12.86 (+7.08) Prozent. Frappierend ist die enorme Steigerung der Werbeeinnahmen der Radiosender, die insgesamt um 17,4 Prozent höher sind als 2009 (RMF FM +29.65%, Radio Zet +12.42%, das Erste Programm +20.08%, und das Dritte – Trójka – sogar +40.81%!).
2010 surften erstmals über 50 Prozent der Polen über 14 Jahren regelmäßig im Internet, 60 Prozent aller polnischen Haushalte haben einen Internetzugang. Auch hier mischen immer mehr ausländische Anbieter bzw. Investoren mit, was nicht verwundert, ist doch der polnische Internetmarkt mit rund 20 Millionen Internetnutzern einer der dynamischsten Europas.
Durchschnittlich nutzt ein Pole 2 Stunden und 20 Minuten am Tag das Internet. Das sind 40 Prozent mehr als im vorangegangenen Jahr. Etwa 11 Prozent der Polen über 15 Jahren nutzen mobile Medien.
24.04.2011 | Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit